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Interview Robert Hoppe:„Meine Wertschätzung gilt den vielen engagierten Menschen, die unserem Brauchtum eine Zukunft geben“

Der Tod von Emil Vogt überschatte vor einem Jahr die Neuwahl seines Nachfolgers Robert Hoppe zum Bundesschützenmeister. Im Interview zieht Hoppe eine Bilanz des ersten Amtsjahres mit besonderer Verantwortung.
Datum:
10. März 2026
Von:
BHDS

Wie sehr hat Emil Vogt als Ratgeber und Wegbegleiter gefehlt?

 

Hoppe Zunächst sehr. Im Laufe der Zeit habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass auch ein sogenannter „Kaltstart“ seine Vorzüge hat. Der damalige Bundesvorstand hatte mich bereits vor meiner Wahl zu vielen Terminen dazu gebeten, um die Amtsgeschäfte nach der Neuwahl möglichst reibungslos zu gestalten. Das war für mich sehr hilfreich. Auch hatten Emil Vogt und ich uns verabredet, das eine oder andere Schützenthema später zu übergeben und zu überlegen, wo und wie Emil mit seinem Knowhow den Übergang hätte mitgestalten können. Dass Emil dann bereits einen Tag vor meiner Wahl zum Bundesschützenmeister verstorben ist, ist mir auch persönlich sehr nahe gegangen. Wir hatten in den verschiedenen Gremien über 30 Jahre eng zusammengearbeitet. 

 

Was war die größte Herausforderung im ersten Jahr als Vorsitzender des großen Verbandes?

 

Hoppe Für mich war sehr spannend, dass ich mit jeder Woche im neuen Amt ein neues Thema vorgestellt bekommen habe, mit dem ich mich befassen durfte. Ich erhielt Einladungen aus allen Diözesen unseres Verbandes und musste sehr schnell feststellen, dass es nicht möglich ist, jeder Einladung zu folgen. Ich habe das Jahr als sehr bereichernd empfunden trotz der Belastung. Was mich gestärkt hat, waren die vielen Begegnungen.  Es war eine Freude, viele engagierte Menschen kennenzulernen, die allesamt mit Begeisterung ihr ehrenamtliches Engagement leben.

 

Wie lässt sich der persönliche Führungsstil beschreiben?

 

Hoppe Ich höre gerne und aufmerksam zu und vertraue sehr auf die Fachkompetenz all derer, die mich in meinem neuen Amt in den verschiedenen Gremien und Ausschüssen unterstützen und beraten.

Da ich selbst noch berufstätig bin, ist mir die Wegbegleitung all dieser Fachleute sehr wichtig. Und das ist - finde ich - auch eine Form von Wertschätzung.

Ich bin aber auch ein Mensch, der genaue Vorstellungen hat, der vieles sehr detailreich und gewissenhaft vorbereitet und deshalb von den Menschen im Umfeld erwartet, dass sie ebenso gewissenhaft einzelne Themen wie auch Veranstaltungen vorbereiten und durchführen.

 

Ein großes Thema bleibt die Abgrenzung zur AfD. Wie politisch will der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften agieren?

 

Hoppe Wir dürfen die Tatsache, dass sich in unserem Land extreme Parteien ausgebreitet haben, nicht ignorieren. Diese Gruppierungen verführen mit scheinbar einfachen Lösungen und stellen eine Gefahr für unsere Demokratie dar. Mit unserem Positionspapier haben wir klargemacht, dass die von uns vertretenen christlichen Werte nicht vereinbar sind mit dem verschriftlichten wie auch publizierten Gedankengut der AfD.

Unser ökumenisches Bekenntnis zum Glauben, unser kirchliches Engagement, unsere sozialen und caritativen Anstrengungen, unser Eintreten für ein friedensstiftendes Europa, unsere Weltoffenheit und Zukunftsgewandtheit passen nicht zu einer Ideologie der Ab- und Ausgrenzung, die Fremdenhass schürt und Rassismus fördert. Deshalb ist die gleichzeitige Mitgliedschaft in einer unserer Schützenfamilie angehörenden Bruderschaft und der AfD und anderen extremen Gruppierungen von rechts oder links nicht miteinander vereinbar. Ich glaube, dass wir diesen Standpunkt immer wieder auch öffentlich vertreten müssen. Dabei können wir mit unserem Wissen, mit unseren Aktivitäten und gelebten Beispielen unseres Engagements vor Ort in solchen Diskussionen argumentieren. Das ist anstrengend und zeitaufwendig, aber unverzichtbar, denn wir Schützen stehen ein für den Schutz der Demokratie. 

 

Ein großes gesellschaftliches Thema ist die zunehmende Vereinsamung vieler Menschen. Wie können Schützen Begegnung und Miteinander fördern?

 

Hoppe Es ist heute nicht mehr damit getan, Einladungen zu verschicken und darauf zu hoffen, dass viele kommen. Manche haben sich längst zurückgezogen in die sozialen Medien. Socialmedia informiert zwar, trägt aber auch zur Vereinsamung bei. Ich habe in meiner eigenen Bruderschaft aber festgestellt, wie einfach es auch in heutiger Zeit ist, Interesse zu generieren. Ein mögliches Erfolgsrezept: Einfach zuhören, wo gerade der Schuh drückt, Ideen sammeln, aktuelle Themen aufgreifen, die Tradition öffnen für Neuerungen und junge Leute in Verantwortung nehmen. Solche Impulse sind bereichernd für eine Gemeinschaft. Ich bewundere daher all die Schützen und Schützenfrauen, all die Mädchen und Jungen, die sich so oft im Jahr für andere Menschen engagieren und damit Gemeinschaft leben.

 

Es wird immer schwieriger, Ausrichter für die großen Bundesveranstaltungen der Schützen zu finden. Liegt das allein an den Auflagen zu Sicherheitskonten?

 

Hoppe Heute ein Bundesfest auszurichten, ist sicherlich ganz anders als vor 15 Jahren. Aber solche Herausforderungen lassen sich meistern. In jedem Fall sind es ehrenamtlich engagierte Menschen, die sich in Sachen Sicherheit, Organisation, Logistik und Finanzen in der Regel mit den lokalen Ordnungsämtern, Kreispolizeibehörden und Verwaltungen austauschen müssen. Die Zauberformel ist auch hier: miteinander reden, sich mit Augenmaß zu begegnen, sich auf wechselnde Rahmenbedingungen von Ort zu Ort einlassen, verantwortungsvoll agieren und letztlich gemeinsam Entscheidungen zu treffen, das sind die Voraussetzungen, damit diese so großartigen Begegnungsfeste in unserer Bundesschützenfamilie weiter möglich sind. Wir stehen jedem interessierten Ausrichter für Fragen zur Verfügung. Unsere Bundesorganisation überarbeitet aktuell neue Leitlinien zur Durchführung von Bundesfesten, damit lokale Gegebenheiten besser berücksichtigt werden können und neue Wege möglich sind.  Die Erfahrungen der bisherigen Ausrichter, die Gespräche auf Augenhöhe, ein gutes Maß an Engagiertheit, die Freude an der Gemeinschaft, Teamgeist, ein gutes Konzept und eine solide Finanzkonzeption sind die Bausteine, auf die wir gerne aufbauen und aus denen auch künftig die großen Feste der Begegnung unserer Bundesschützenfamilie entstehen können.

 

Was hat sich der Bundesschützenmeister für das zweite Jahr seiner Amtszeit vorgenommen? Wie könnte ein passender Slogan lauten?

 

Hoppe Ich möchte sehr gerne unserer großen Bundesschützenfamilie vermitteln, wie toll das ehrenamtliche Engagement eines jeden Einzelnen ist. Wenn ich als Bundesschützenmeister diese Freude am gemeinsamen Miteinander forcieren und unterstützen kann, dann tue ich das sehr gerne. Da freue ich mich auf den Input vieler Menschen aus unseren Bruderschaften und Bezirks- und Diözesanverbänden. Ich möchte nicht der „unnahbare“ Bundesschützenmeister sein. Ich möchte Ansprechpartner, Schützenbruder und damit nahbar sein für jeden Mann und jede Frau. 

Als Slogan würde mir für das bestimmt wieder herausfordernde Schützenjahr 2026 einfallen: Engagiertheit wertschätzen, Freundschaften knüpfen, gemeinsam Ziele erreichen in Frieden und Freundschaft.

 

Was plant der Bund zum 100jährigen Bestehen 2028?

 

Hoppe Mein Wunsch wäre, dass wir dieses Jubiläum mit möglichst vielen Mitgliedern unserer Gemeinschaft feiern. 2028 soll ein Jubiläumsjahr werden, in dem wir auch die regelmäßig wiederkehrenden Jahresaktivitäten in den Fokus unseres Jubiläums stellen können. Darüber hinaus wollen wir auch mit sogenannten Highlight-Veranstaltungen das Jubiläum in besonderer Weise erlebbar machen. Ob dies nun in Form einer zentralen Veranstaltung erfolgt, wie vor 25 Jahren in Köln oder in mehreren Einzel-Veranstaltungen, verteilt auf die einzelnen Diözesen unseres Bundes, darüber tauschen wir uns gerade mit den Vertretern unserer Diözesanverbände aus.