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Grüne Oase im Herzen der Stadt:Schützen-Landesgartenschau in Neuss

Das gab es noch nie: eine Landesgartenschau, die so eng mit dem Schützenwesen verknüpft ist und es sichtbar macht wie in diesem Sommer in Neuss, ein Schützenfest in einer Landesgartenschau. Das Motto der Landesgartenschau „Neuss wie noch nie“ ergänzt ideal ein traditionsbewusstes „Neuss wie schon immer“ im Blick auf das Neusser Bürger-Schützenfest.
Datum:
17. Juli 2026
Von:
Martin Flecken

Seit dem 19. Jahrhundert feiern in Neuss die Schützen mit ihren Familien nach Parade und Festumzügen durch die Stadt auf der „Schützenwiese“, seit den 1880er-Jahren dort auf der für den Galoppsport sportgerecht ausgebauten Rennbahn. Hier veranstalten der Neusser Bürger-Schützen-Verein und seine Korps die dem „Schützenwesen eigentümlichen Schießwettbewerbe und Reiterspiele“, Ringstechen, Flachrennen und die Kinderbelustigung, hier schwingen die Neusser Schützen und ihre Liebsten zum Tanz ihre Beine im Festzelt auf herrlichen Festbällen. - Im Dezember 2019 fand auf der Rennbahn das letzte Galopprennen statt, die Rekultivierung des Geländes stand an. 

Die Idee eines Landschaftsparks sicherte die Heimat der Schützen auf dem Gelände; wie schon in den 1950er-Jahren wurden Ideen anderer Verwendungen verworfen. Im Frühjahr 2022 erhielt Neuss den Zuschlag für die Landesgartenschau 2026. In die Beratungen über die Planungen und zum Architektenwettbewerb  waren Vertreter der Schützen fortwährend mit eingebunden, die Stadtverwaltung betonte stets die Priorität der Durchführung des Schützenfestes am gewohnten Ort auch im LaGa-Jahr 2026. Eröffnet wurde die Landesgartenschau Mitte April; natürlich waren auch da beim Festakt mit Ministerpräsident Hendrik Wüst die Neusser Schützen präsent, besonders auch durch zahlreiche „Hönese“, also Blumenhornträger mit herrlich blühenden und duftenden Blumenhörner, ebenso beim Eröffnungsgottesdienst mit vielen ihrer Fahnen. - Schützen und Blumen gehören zusammen, das spiegeln die Hönese, das zeigen friedvolle Gewehrsträußchen in unseren Holzgewehren, das symbolisieren liebevolle Strüßkes, die uns bei unseren Umzügen von Frauen und Kindern überreicht werden, das stellt auch die Blütenpracht an Königsresidenzen dar.

Promeniert man durch das Gelände der Landesgartenschau: vielfach sind die Orte, die Schützenherzen höher schlagen lassen. Der Selfie-Point, an dem jeder sich als Hönes bildlich verewigen kann, je nach Blickrichtung mit Riesenrad oder der weiteren Festwiese im Hintergrund. Das Festzelt, das in diesem Jahr von April bis Oktober und nicht nur an ein paar Tagen nach Bartholomäus Ende August an „unserem Ort“ steht und zum Besuch einlädt; hier schwelgen die Erinnerungen an vergangene Schützenfeste, besonders auch durch die großformatigen Fototafeln mit herrlichen schützenfestlichen Motiven. Der Schießstand unserer Schießwettbewerbe und des Königsschießens, an den man noch selten so nah herangekommen ist. Und ganz besonders benachbart zum Schießstand unser „Schützenhaus mit Herz“; es entstand im Zusammenklang mit dem Mitmachverein „Grünes Herz  - Bürgerpark Neuss e.V.“ aus der Idee, einen Ort auf unserer Schützenwiese zu schaffen, der der Neusser Schützenfamilie auch im Jahreskreis Heimat zum Zusammensein und Feiern bietet. Schützen halten und wirken zusammen, „WIR.SCHÜTZEN.NEUSS“, so ein Motto des Neusser Bürger-Schützen-Vereins. Und das erlebt man auch an diesem Schützenhaus: es ist errichtet worden durch das große Engagement vieler Menschen, Schützenbrüder, Handwerker, die mitgewirkt haben, Spenderinnen und Spender. Pünktlich zu Eröffnung der Landesgartenschau wurde es fertiggestellt, am Vorabend von Christi Himmelfahrt offiziell eingeweiht. Auch baulich ist das Schützenhaus eine Besonderheit, hier im Landschaftsschutzgebiet des alten Rennbahngeländes zerstört es nicht mit schweren Fundamente den Boden; acht Kaiserlinden tragen es, es hängt sozusagen an diesen Bäumen. Während der Landesgartenschau ist es ein „lebendiges Zeugnis gelebter Vereinskultur“, wie auch Komiteemitglieder erzählen können, die schon zahlreiche Gespräche auf seiner Terrasse mit Besucherinnen und Besuchern der LaGa geführt haben. Ab 2027 steht das Schützenhaus dann allen Schützenzügen der Neusser Schützenfamilie offen.  

Nicht nur Orte sind es, die auf dem Gelände der Landesgartenschau an das Schützenwesen erinnern, besonders sind es die Begegnungen mit Menschen. Immer wieder kommt man, flaniert man über die Wege, zu den Rast-Stätten im Festzelt, am See, an Bühnen, zur Lichtkirche, die von den Kirchen gut genutzt und repräsentiert ist, in wohltuende Gespräche mit Besucherinnen oder Besuchern, die man kennt oder gerade kennenlernt, in Gespräche auch mit Erinnerungen an alte Zeiten dieses Areals, an seine Zeit als Galopprennbahn, besonders aber an frühere Schützenfeste; es werden erzählerische Brücken gebaut zwischen gestern und morgen. Das ist gemeinschaftsbildend, die Landesgartenschau strahlt seit Beginn ein schützenfestliches Flair aus, sie ist Ausdruck des Neusser Miteinanders und der Offenheit für Gäste, die in Neusser Schützenliedern als stets willkommen besungen werden.

In den sechs Monaten der Landesgartenschau gibt es auch außerhalb der Schützenfesttage mannigfaltige Veranstaltungen, die sich dem Schützenwesen widmen. So wird natürlich Schützenfestliches auch auf den allgemeinen Führungen über das Gelände immer einmal wieder geschildert. Daneben gibt es Sonderführungen und Sonderveranstaltungen wie zur Kunst des Steckens von Blumenhörnern, zum Kräuseln der Federn von Offiziershüten des Jägerkorps, auch schützenmusikalische Abende, natürlich ist das recht nahe und besuchenswerte „Rheinische Schützenmuseum Neuss mit Joseph-Lange-Schützenarchiv“ mit eingebunden; zu Schützenthemen ist auch der Mitmachverein „Grünes Herz e.V.“ besonders aktiv. Und am 3. Juli werden die von vielen Schützen und Schützenfamilien gespendeten Bäume auf der neuen „Schützenwiese“, einem der verschiedene Bereiche des Parks feierlich übergeben und „angegossen“; sie wachsen und gedeihen da schon, es geht eher um das Angießen im Sinne des Anstoßens der Spender miteinander. 

Gegen Ende der Landesgartenschau heißt es dann am 3. Oktober „Schützen wie noch nie!“; Das „Grüne Herz“, der Neusser Bürger-Schützen-Verein, die Schützenvereine und Schützenbruderschaften der Stadtteile veranstalten mit Klangkörpern der Stadt ein gemeinsames Treffen auf der Landesgartenschau, beginnend mit einem Sternmarsch zum Gottesdienst, gefolgt von einem Abmarsch zum Kulturanger vor der Wetthalle mit dortigem großen Schützen-Biwak, zu dem der Verkauf der Teilnahme-Bändchen schon gut gestartet ist.

Neuss, „Neuss wie noch nie“ freut sich auf einem „Sommer wie noch nie“ mit „Schützen wie noch nie“ und einem herrlichen „Schützenfest wie schon immer.“! Die Landesgartenschau hat es in sich: Gemeinsamkeiten gedeihen, Eintracht blüht. 

Zahlen, Daten & Fakten

  • Durchführungszeitraum: 16. April bis 11. Oktober 2026 – 179 Tage
  • erwartet werden 650.000 Besucherinnen und Besucher
  • 38 Hektar Gesamtfläche
  • Blüten auf insgesamt ca. 20.300 qm (2.800 qm Wechselflor, 3.500 qm Stauden, 1.000 qm Rosengarten und 13.000 qm Wiesensaaten)
  • Gartenschaubeiträge auf ca. 18.000 qm
  • regelmäßig wechselnde Themen in den Blumenhallen
    über 1.000 Veranstaltungen – Musik, Kultur, Unterhaltung bis Information & Innovation
  • auf der Landesgartenschau: weltweit größtes Schützenfest eines Vereins mit einem Schützenzelt, das im Rahmen der Landesgartenschau Neuss Raum für Veranstaltungen und Ausstellungen gibt
  • rund 50 Austellerinnen und Aussteller
  • breit gefächertes kulinarisches Angebot, von Klassikern bis zu regionalen Spezialitäten

 

www.landesgartenschau-neuss.de

Geländeplan (PDF)